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Sonderurlaub Todesfall: Wer bekommt wie viele Tage

Niklas Simon Fischer Schneider • 2026-07-12 • Gepruft von Daniel Becker

Wenn der Vater oder die Mutter stirbt, ist die Trauer überwältigend – und plötzlich steht die Frage im Raum: Darf ich zu Hause bleiben, ohne meinen Job zu gefährden? Die gute Nachricht: In den meisten Unternehmen ist Sonderurlaub im Todesfall selbstverständlich. Die schlechte: Ein bundesweites Gesetz, das die Anzahl der Tage festlegt, gibt es nicht. Stattdessen entscheiden Tarifverträge, Betriebsvereinbarungen oder die betriebliche Übung darüber, wie viel Zeit Ihnen zusteht.

Gesetzliche Grundlage: Keine bundesgesetzliche Regelung, sondern Tarifverträge, Betriebsvereinbarungen oder Einzelfallentscheidung ·
Übliche Tage bei Eltern: 2 Tage ·
Übliche Tage bei Großeltern: 1–2 Tage ·
Maximal üblich: 3 Tage ·
Häufigkeit der Gewährung: In über 90 % der Unternehmen üblich

Kurzüberblick

1Wer hat Anspruch?
2Wie viele Tage?
3Rechtliche Grundlage
  • Kein Bundesgesetz (Lexware)
  • Tarifverträge, Betriebsvereinbarungen, Einzelfallentscheidung (bestatter.de)
  • § 616 BGB nur Lohnfortzahlung bei vorübergehender Verhinderung (bestatter.de)
4Beantragung

Sechs Kernfakten auf einen Blick – die wichtigsten Zahlen und Rechtsgrundlagen zum Sonderurlaub im Todesfall.

Merkmal Wert
Gesetzliche Pflicht des Arbeitgebers Nein, aber sehr weit verbreitete betriebliche Übung (Lexware)
Übliche Dauer bei Eltern 2 Tage (ERGO Ratgeber)
Übliche Dauer bei Großeltern 1 Tag (Nürnberger Versicherung)
Höchstens üblich 3 Tage (Augsburger Allgemeine Trauerportal)
Bezahlung Ja, in der Regel Lohnfortzahlung (bestatter.de)
Rechtsquelle Tarifvertrag, Betriebsvereinbarung, Arbeitsvertrag; hilfsweise § 616 BGB (bestatter.de)

Bei welchem Todesfall hat man Anspruch auf frei?

Welche Verwandtschaftsgrade sind üblich?

  • Eltern, Kinder und Ehepartner sind in fast allen Tarifverträgen und Betriebsvereinbarungen als anspruchsberechtigt aufgeführt (ERGO Ratgeber).
  • Großeltern, Enkel, Geschwister und Schwiegereltern sind seltener abgedeckt – hier kommt es auf die konkrete Regelung an (Nürnberger Versicherung).
  • Adoptiveltern werden in der Regel den leiblichen Eltern gleichgestellt (Nürnberger Versicherung).
Der Haken

Fehlt eine tarifliche oder vertragliche Regelung, entscheidet der Arbeitgeber im Einzelfall. Dann kann selbst der Tod des Vaters leer ausgehen – wenn auch selten.

Gibt es gesetzliche Vorgaben für den Kreis der Angehörigen?

  • Eine bundesgesetzliche Liste der anspruchsberechtigten Angehörigen existiert nicht (Lexware).
  • Der Tarifvertrag oder die Betriebsvereinbarung legt den Kreis verbindlich fest (Lexware).
  • Ohne Tarifbindung gilt: Die Beerdigungsteilnahme ist oft die Voraussetzung für die Freistellung (bestatter.de).

Der Kreis der Angehörigen ist nirgendwo abschließend definiert. Das bedeutet: Wer keinen Tarifvertrag hat, muss mit dem Arbeitgeber verhandeln oder auf die betriebliche Übung hoffen.

Wie viele Tage Urlaub stehen mir zu, wenn mein Vater stirbt?

Wie viele Tage sind üblich?

  • Bei Tod eines Elternteils sind meist 2 Tage Sonderurlaub üblich, in vielen Tarifverträgen festgeschrieben (Lexware).
  • Der TVöD (öffentlicher Dienst) sieht beim Tod eines Elternteils grundsätzlich 2 Tage Arbeitsbefreiung vor (Lexware).
  • Einige Ratgeber nennen für den Tod der Eltern auch bis zu 3 Tage Sonderurlaub als Praxiswert (Augsburger Allgemeine Trauerportal).

Gilt das auch für die Mutter?

  • Ja, die Regelungen für Vater und Mutter sind identisch – beide sind Verwandte ersten Grades (anwalt-erbrecht.de).
  • Bei Beamten ist beim Tod von Vater oder Mutter regelmäßig eine Freistellung von 2 Tagen vorgesehen (ERGO Ratgeber).
  • Die Tage müssen in der Regel zeitnah zum Sterbefall oder zur Beerdigung genommen werden (arbeitsvertrag.org).
Warum das wichtig ist

Wer keine tarifliche Regelung hat, bekommt oft nur 1 Tag – und muss dann selbst entscheiden, ob er die Beerdigung oder die Organisation des Nachlasses priorisiert. Die Differenz von 1 Tag kann den Unterschied machen zwischen würdevoller Trauer und hektischem Hin- und Hertelefonieren.

Die Praxis zeigt: Wer im Tarifvertrag oder der Betriebsvereinbarung abgesichert ist, hat klare Rechte. Alle anderen sind auf das Entgegenkommen des Chefs angewiesen.

Habe ich Sonderurlaub, wenn mein Großvater verstirbt?

Unterschied zu Eltern

  • Großeltern sind seltener abgedeckt, viele Tarifverträge geben 1 Tag (Nürnberger Versicherung).
  • Der Anspruch besteht oft nur dann, wenn der Großvater im gleichen Haushalt lebte oder die Beerdigung besucht wird (ERGO Ratgeber).
  • Einzelfallregelung im Arbeitsvertrag oder Betriebsvereinbarung möglich (Lexware).

Sonderurlaub für Großmutter?

  • Die Regelung ist identisch wie beim Großvater – auch hier 1 Tag üblich (Nürnberger Versicherung).
  • Wer keinen Tarifvertrag hat, muss nach § 616 BGB die persönliche Unaufschiebbarkeit der Teilnahme nachweisen (bestatter.de).

Der Unterschied zu Eltern ist eklatant: Während der Tod von Vater oder Mutter fast immer 2 Tage Freistellung bringt, müssen Großeltern oft mit 1 Tag auskommen – oder ganz leer ausgehen, wenn der Arbeitgeber keine Regelung getroffen hat.

Haben Enkel Anspruch auf Sonderurlaub?

Enkel gegenüber Großeltern

  • Enkel haben meist nur dann Anspruch, wenn der Großelternteil im selben Haushalt lebte oder die Bestattung besucht wird (ERGO Ratgeber).
  • Tarifverträge erfassen Enkel selten explizit – oft nur bei enger Verbundenheit (Nürnberger Versicherung).
  • Prüfung des Einzelfalls und betriebliche Übung sind entscheidend (Lexware).

Sonderurlaub für Urenkel?

  • Urenkel werden in den meisten Tarifverträgen nicht genannt – ein Anspruch ist die absolute Ausnahme (anwalt-erbrecht.de).
  • Ohne Tarifvertrag hilft nur eine individuelle Absprache mit dem Arbeitgeber (Kanzlei Chevalier).

Enkel stehen rechtlich auf der gleichen Stufe wie Großeltern: Sie sind nicht Verwandte ersten Grades. Der Anspruch hängt an der Haushaltsgemeinschaft oder der Teilnahme an der Bestattung. Wer also nicht mit dem Großelternteil zusammengelebt hat, sollte vorher mit dem Vorgesetzten sprechen.

Kann ich mich krankschreiben lassen, wenn mein Vater gestorben ist?

Voraussetzung für Krankschreibung

  • Eine Krankschreibung setzt eine eigene Erkrankung (z. B. reaktive Depression) voraus – Trauer allein ist keine Krankheit (ERGO Ratgeber).
  • Der Arzt entscheidet über die Arbeitsunfähigkeit; es gibt keine automatische Krankschreibung nach Todesfall (arbeitsvertrag.org).
  • Eine Krankschreibung wegen Trauerreaktion ist möglich, aber nicht selbstverständlich (Kanzlei Chevalier).

Unterschied zu Sonderurlaub

  • Sonderurlaub und Krankschreibung schließen sich nicht aus, haben aber getrennte Anspruchsgrundlagen (Lexware).
  • Sonderurlaub ist eine Freistellung durch den Arbeitgeber, Krankschreibung eine ärztliche Bescheinigung (ERGO Ratgeber).
  • Wer sich krankschreiben lässt, darf nicht gleichzeitig Sonderurlaub beanspruchen – beide Wege sind getrennt (bestatter.de).
Darauf sollten Sie achten

Wer zur Krankschreibung greift, obwohl er keine eigene Erkrankung hat, riskiert eine Abmahnung oder Kündigung. Der Arbeitgeber kann die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung anzweifeln – und im Zweifel vor dem Arbeitsgericht landen.

Die Entscheidung für oder gegen eine Krankschreibung ist risikoreich. Ohne klare ärztliche Diagnose ist der Sonderurlaub der rechtlich sicherere Weg.

Sechs Verwandtschaftsgrade, sechs unterschiedliche Ansprüche – die Tabelle zeigt, wer wie viele Tage erwarten kann und auf welcher Grundlage.

Verwandtschaftsgrad Übliche Tage Anspruchsgrundlage
Eltern (Vater, Mutter) 2 Tage Tarifvertrag, TVöD, § 616 BGB (Lexware)
Kinder 2 Tage Tarifvertrag, § 616 BGB (ERGO Ratgeber)
Ehepartner / eingetragener Lebenspartner 2–3 Tage Tarifvertrag, Betriebsvereinbarung (ERGO Ratgeber)
Großeltern 1 Tag Tarifvertrag (selten), Haushaltsgemeinschaft (Nürnberger Versicherung)
Enkel 1 Tag (nur bei Haushaltsgemeinschaft) Einzelfall, betriebliche Übung (Nürnberger Versicherung)
Geschwister 1 Tag (nach Tarifvertrag) Tarifvertrag (selten), Einzelfall (Kanzlei Chevalier)
Schwiegereltern 1 Tag (nur bei Haushaltsgemeinschaft) Einzelfall, selten tariflich (Kanzlei Chevalier)

Gesicherte Fakten

  • Keine bundesgesetzliche Regelung zum Sonderurlaub bei Todesfall (Lexware).
  • Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen regeln Umfang und Kreis der Angehörigen (Lexware).
  • Eltern, Kinder und Ehepartner sind in fast allen Regelungen enthalten (ERGO Ratgeber).

Was unklar bleibt

  • Ob ein Enkel Anspruch hat, wenn kein Tarifvertrag besteht (Nürnberger Versicherung).
  • Ob Schwiegereltern unter den Kreis fallen, wenn keine ausdrückliche Regelung existiert (Kanzlei Chevalier).
  • Wie Arbeitgeber in kleinen Betrieben ohne Betriebsvereinbarung verfahren (arbeitsvertrag.org).
  • Ob Sonderurlaub immer bezahlt wird – die Rechtslage ist nicht eindeutig (bestatter.de).

„§ 616 BGB ist eine Auffangnorm. Sie sichert die Lohnfortzahlung, aber nicht die Freistellung an sich. Wer sich darauf beruft, muss darlegen, warum die Arbeitsverhinderung unverschuldet und vorübergehend war – und das ist im Trauerfall nicht immer einfach.“

– Fachanwalt für Arbeitsrecht, zitiert im bestatter.de Ratgeber

„Der Tarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie sieht bei Tod eines Elternteils zwei Tage bezahlte Freistellung vor, bei Tod eines Großelternteils einen Tag – jeweils unter der Voraussetzung, dass die Bestattung besucht wird.“

– Auszug Tarifvertrag Metall- und Elektroindustrie, dokumentiert bei Lexware

Das deutsche Arbeitsrecht überlässt den Sonderurlaub im Todesfall weitgehend den Tarifparteien und dem einzelnen Arbeitgeber. Für Beschäftigte ohne Tarifvertrag heißt das: Sie müssen selbst aktiv werden – und im Zweifel mit dem Chef verhandeln. Die betriebliche Übung ist dabei oft der stärkste Hebel: Wenn das Unternehmen in der Vergangenheit immer 2 Tage gewährt hat, können Sie sich darauf berufen. Für Arbeitnehmer mit Tarifbindung ist die Lage klarer – aber auch hier lohnt ein Blick in den konkreten Tarifvertrag, denn die Stufung nach Verwandtschaftsgrad variiert von Branche zu Branche. Wer sich unsicher ist, sollte vor der Beantragung den Betriebsrat oder die Personalabteilung fragen. Die Konsequenz für alle, die keine Regelung haben: Ohne Absprache droht unbezahlter Urlaub oder im schlimmsten Fall eine Abmahnung.

Fazit Arbeitnehmer ohne Tarifvertrag müssen aktiv verhandeln, sonst droht unbezahlter Urlaub. Die betriebliche Übung ist dabei der stärkste Hebel.

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Häufig gestellte Fragen

Muss der Arbeitgeber Sonderurlaub im Todesfall bezahlen?

Ja, in den allermeisten Fällen wird Sonderurlaub im Todesfall als bezahlte Freistellung gewährt. Die Lohnfortzahlung ergibt sich entweder aus dem Tarifvertrag, der Betriebsvereinbarung oder – wenn keine spezielle Regelung existiert – aus § 616 BGB, der bei vorübergehender Verhinderung die Fortzahlung des Gehalts sichert (bestatter.de).

Wie beantrage ich Sonderurlaub nach einem Sterbefall?

Informieren Sie Ihren Vorgesetzten oder die Personalabteilung so schnell wie möglich – telefonisch oder per E-Mail. Reichen Sie anschließend einen formlosen schriftlichen Antrag ein und legen Sie einen Nachweis bei (Sterbeurkunde, Traueranzeige oder Einladung zur Beerdigung) (Lexware).

Gibt es Sonderurlaub, wenn der Onkel stirbt?

Onkel und Tanten sind in der Regel nicht vom Sonderurlaub abgedeckt, da sie nicht zum Kreis der engsten Angehörigen zählen. Ein Anspruch kann nur dann bestehen, wenn der Onkel im gleichen Haushalt lebte oder eine außergewöhnlich enge Bindung bestand und der Arbeitgeber dies anerkennt (Nürnberger Versicherung).

Kann der Arbeitgeber Sonderurlaub verweigern?

Ja, wenn kein Tarifvertrag, keine Betriebsvereinbarung und keine betriebliche Übung existiert, kann der Arbeitgeber die Freistellung verweigern. Allerdings ist das Risiko für den Arbeitgeber hoch: Eine Verweigerung kann das Betriebsklima massiv belasten und im Extremfall vor Gericht als Verstoß gegen die Fürsorgepflicht gewertet werden (arbeitsvertrag.org).

Was ist der Unterschied zwischen Sonderurlaub und unbezahltem Urlaub?

Sonderurlaub im Todesfall ist in der Regel bezahlt – der Arbeitgeber zahlt das Gehalt fort. Unbezahlter Urlaub bedeutet dagegen, dass Sie für die freigenommenen Tage kein Entgelt erhalten. Wer keinen Anspruch auf Sonderurlaub hat, kann beim Arbeitgeber unbezahlten Urlaub beantragen, muss dann aber auf das Gehalt für diese Tage verzichten (ERGO Ratgeber).

Kann ich Sonderurlaub auch für die Beerdigung eines Freundes bekommen?

Nein, ein Freund oder eine Freundin ist rechtlich kein Angehöriger. Das Arbeitsrecht erkennt nur familiäre Beziehungen an. Für die Beerdigung eines Freundes müssten Sie regulären Urlaub nehmen oder mit dem Arbeitgeber eine individuelle Absprache treffen (Kanzlei Chevalier).



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